Meine philosophischen Grundlagen

Das, was meine Haltung, mein Sein und mein Denken am besten wiedergibt, ist ein Text von Claus Biegert, einem oberbayrischen Journalisten und Filmemacher, mit Arbeits-Schwerpunkt indigene Völker und Ökologie. Im Buch „Vom Wesen des Wassers – Im Tropfen zeigt sich die Welt“, erzählt er von einem nordamerikanischen Volk, den Hopi, und Ihrer Haltung, die diese dem Wasser entgegen gebracht hatten, bevor auch ihre Heimat dem unermesslichen Hunger nach Energie, zum Opfer gefallen war. Er schreibt davon, dass die amerikanische Regierung, den Hopi und auch den Navajos, die im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der US-Armee gekämpft hatten, mit einem Wirtschafts-Programm zu Hilfe kommen wollten, um ihre Dankbarkeit auszudrücken. Die Amerikaner wollten Wasserleitungen legen; Saatgut züchten, das der Hitze trotzen sollte, usw. und so fort.

„Und so überfiel als erstes ein Team von Agrarexperten das Stammesgebiet der Hopi, die im Gegensatz zu den Navajos, die sich auf das Züchten von Schafen verstanden, Feldbauern waren. Die Hopi leben auf drei Mesas, die sich wie Finger einer Hand vom Hochplateau Black Mesa aus nach Südosten strecken. Black Mesa ist ein Tafelberg aus Kohle. Sobald man am Boden schürft, offenbart sich das schwarze Innere. Laut Ihren Überlieferungen erreichten die Hopi ihre jetzige Heimat vor rund 2000 Jahren. Das empfindliche Ökosystem der Bergwüste verlangte eine behutsame Bodennutzung, die die Bewohner durch spirituelle Anstrengungen zu unterstützen lernten. Die Zeremonien, die sich bis heute auf den Jahreskalender verteilen, dienen alle dem einen Zweck: das Wasser für die Wiederkehr der Fruchtbarkeit der Erde zu sichern. Mit Gesängen, Riten, Tänzen und Beschwörungen werden die Prozesse der Natur auf geistiger Ebene verstärkt.

Aerial view of Black Mesa near Black Canyon City, Arizona | Urheberrecht: Shutterstock.com / Tim Roberts Photography
Luftaufnahme von Black Mesa in der Nähe von Black Canyon City, Arizona

Der tägliche Umgang mit dem Wasser war zentrales Thema in der Erziehung der Kinder. Der Gang zur Quelle eine heilige Handlung. Fließendes Wasser aus dem Hahn, so argumentierten sie, lasse jegliches Gefühl für das Wasser verkümmern, täusche einen unerschöpflichen Vorrat vor, lade nahezu ein zu gedankenlosem Verbrauch, sei eine Entweihung des heiligen Guts.“

Die Agrarexperten schlugen in der Mitte des Navajo-Landes, dort wo die Hopi lebten, ihre Zelte auf und begannen mit ihren Experimenten. Aber „alle Gemüse- und Getreidesorten verkümmerten noch während des Keimens oder vertrockneten vor der Ernte. Während dieser Zeit hatten die Hopi trotz Wassermangel blühende Ernten. Dennoch vermieden es die Spezialisten, die Indianer zu befragen und sich bei ihnen über die Hintergründe ihres gelungenen Anbaus zu erkundigen. Nach zwei Jahren wurde das Unternehmen erfolglos abgebrochen. Einen der Wissenschaftler plagte die Neugier. Vor der Abreise besuchte er einen Hopi-Bauern auf dessen Maisfeld. Er stellte sich vor, erzählte vom Missgeschick des Teams und fragte, was sie denn falsch gemacht hätten. Der Indianer zögerte keinen Moment mit der Antwort. Er sagte: „Ihr habt nicht gesungen!“

Ihr habt nicht gesungen. Ihr habt weder die Pflanzen noch den Boden gewürdigt, noch das Wasser. Es gibt keine Danksagung, keine Huldigung, kein Verneigen, nur bloßes Nehmen. Nehmen bis nichts mehr da ist, bis kein Stein mehr auf dem anderen liegt. Alles wird umgedreht, ausgebeutet und zum Schluss per Fracking in ein anderes Dasein verfrachtet. Und all das ohne Unterlass: ein Aderlass, der allen, aber auch allen, teuer zu stehen kommen wird. Aber das wissen wir und trotzdem dreht sich dieses Rad der Zerstörung immer weiter.

Und in Mitten all dessen bauen wir Badeteiche und Naturpools, deren Wasser unser zentrales Element ist. Wissen wir überhaupt was dieses Element wirklich ist?

Baumkrone JPG

Wasser hat für mich nicht nur eine Dimension. Über die Chemisch-Physikalische hinaus, gibt es für mich weitere, eine Geistig-Spirituelle, und natürlich eine Ökologisch-Biologische und eine Ökologisch-Politische. Badeteiche und Naturpools zu bauen, ohne diese Dimensionen mit einzubeziehen, sie zu Rate zu ziehen oder wenigstens zu betrachten, ist wie das Bewohnen eines einzigen Zimmers eines Hauses! Das Haus der Badeteiche und Naturpools hat mehr Räume und alle haben es verdient bewohnt zu werden. Eindimensionales Denken wird uns nicht weiter bringen, genauso wenig wie Polarisieren. Zur Zeit meiner Geomantie-Ausbildung bei Marco Pogagnic habe ich auch widersprüchliche, ja selbst gegensätzliche Aspekte als Teil des Ganzen und nicht als getrennte oder sich diametral gegenüberstehende wahrgenommen: Yin und Yang – das Gegenteil des Einen ist im Anderen als Ansatz enthalten und umgekehrt. Beide Teile ergänzen sich und bilden die eine Form.

Buddhistischer Altar JPG

Und weil ich gerade Asien streife – Asien, insbesondere Indien, Sri Lanka und die Philosophien und Lehren des Buddhismus, der Sikhs und Hindus übernahmen seit Anfang der 80iger Jahre einen Teil meines Denkens, das seither versucht die westliche Zielstrebigkeit und Eindimensionalität zu integrieren, ganz im Sinne des Yin und Yang. Dort in den Foothills des Himalaya in einem Ort namens Dehra Dun im Bundesstaat Uttar Pradesh bin ich 1984 zum ersten Mal mit der Landschaftsgärtnerei in Berührung gekommen, die seitdem mein Dasein und Fortkommen bestimmt und ermöglicht.

Der Himalaya. Ich kann es nicht lassen, eine weitere Geschichte wiederzugeben, die ich viele Jahre später, etwa drei Jahre zurück in Christoph Ransmayrs Buch „Atlas eines ängstlichen Mannes“ gefunden habe: Hier durchqueren drei Männer und drei Frauen Tibets Provinz Kham und gelangen dabei an einen abgeschiedenen Ort, an einen in einem Hochtal gelegenen See. Dieser See war umgeben „von riesigen Steinen, Felsblöcken, die im seichten Wasser oder im Uferrand lagen, über und über mit einmal bloß handgroßen, dann wieder meterhohen Schriftzeichen behauen. Ein Blick durchs Fernglas zeigte, dass diesen See, ein aus Steinen gefügtes Schriftband umgab, auf dem sich die in Klöstern und Tempeln allgegenwärtige Gebetsformel unzählige Male wiederholte. Om Mani Padme Hum – das Mantra, in dem nach dem Glauben der Betenden etwas vom Urklang des Universums lesbar und sprechbar würde.“

Auf dem Weg zu diesem See haben sie Furten durchwatet, „in denen Hunderttausende solcher beschriebenen Steine im Laufe von Jahrhunderten versenkt worden waren, damit die Strömung über die Silben gleite und sie auf diese Weise weiter und weiter bete … damit der Strom die Worte ans Meer trage und jeder Wellenschlag, selbst die Brandung des Ozeans und der Wechsel von Ebbe und Flut zum Gebet werde!“

Einer Badeanlage einen spirituellen Gehalt zu geben, nicht nur einen technisch-physikalischen, das halte ich für sinnvoll. Das eine geht nicht ohne das andere. Es ist eine unsichtbare Stärke, die diesen Anlagen innewohnt und sie umgibt: ein nicht sichtbarer Steinkranz und der Gesang der Hopi und Navajo.

Om Mani Padme Hum
Servus und Auf Wiedersehen!

Johannes Folger

Zitate aus „Vom Wesen des Wassers – Im Tropfen zeigt sich die Welt. Bilder und Erkenntnisse internationaler Wasserforscher“ Frederking & Thaler Herausgegeben von Claus Biegert und Georg Gaupp-Berghausen „Atlas eines ängstlichen Mannes“ Christoph Ransmayr, Suhrkamp Verlag